Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von valhalla » Di 5. Aug 2014, 23:13

Es lebe der Föderalismus ... ;)

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Macaroli
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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Macaroli » Di 5. Jan 2016, 00:01

Bei alledem fällt mir ein, dass die aktuelle Entwicklung schon wieder weiter ist. Paris vom 13. November wirft Schatten auf die kommende WM, aber auch die Bundesliga ist davor nicht gefeilt. Natürlich ist das eine Frage, die über Chaoten im Fussball hinaus geht. Terrorismus, der sich gezielt mediale Großereignisse aussucht greift innerhalb der gesamten Gesellschaft ein.

Die Tendenz wird sein: Mehr Kosten, mehr Personal und ein großes Packen an Geduld für die Fans, die nun besser so zwischen 30-60 min früher zu einem Spiel kommen sollten, weil sie sonst den Anpfiff nicht im Stadion hören werden sondern eben noch in einer Schlange stehen.

Erst 2014 kam aus NRW der Vorschlag, die Polizei komplett aus dem Stadion raus zu halten. Etwas, was man zumindest mal vorsichtig betrachten muss. Ich denke, die Ordnungskräfte in den Stadien sind auf gewisse Situationen sehr gut vorbereitet, auf Dinge, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können, aber nur bedingt.

Vielleicht muss man nicht immer gleich an Terrorismus denken, aber Massenpaniken, Feuer oder spontane Gewaltentladungen von Hooligans (oder wie auch immer man die Leute nennen soll) hat es alles schon gegeben und dann fände ich es besser, wenn auch Polizeikräfte vor Ort sind und nicht erst gerufen werden müssen, wenn sich etwas ereignet hat.

Und die Frage nach den Kosten ist natürlich legitim. Ich vertrete aber die Auffassung, dass wir uns das leisten können und auch leisten müssen. Zumal ich davon überzeugt bin, dass die Einnahmen durch den Bundesligabetrieb ja bereits bestehen und um ein Vielfaches höher sind, als die Kosten durch Polizeieinsatz.
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport - und nichts für Tunten. (Axel Kruse)

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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Lok » Mi 6. Jan 2016, 17:47

Man muss es mal so sehen. In Berlin kann die Love Parade nicht mehr stattfinden, da die Stadt Berlin irgendwann die Kosten für die Müllbeseitigung nach der Love Parade nicht mehr übernehmen wollte. Die Love Parade hatte mal ganz klein und als Demonstration angefangen, über die Jahre ist sie dann immer größer geworden. Irgendwann hat sich die Stadt Berlin gesagt, das ist schon lange keine Demonstration mehr, also sollen die Veranstalter doch bitte selbst für die Müllbeseitigung aufkommen.

Der Staat ist für die Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig. Dass die Polizei für die Sicherheit bei Fußballspielen im Amateurbereich sorgt, ist für mich selbstverständlich. Amateurfußball könnte sonst nämlich gar nicht stattfinden, da die Sicherheitskosten das Budget einiger Amateurvereine sprengen würden.

Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass der Staat jedes Wochenende Millionen dafür ausgibt, um für Sicherheit in den Stadien zu sorgen. Fußballclubs sind große Wirtschaftsunternehmen mit Millionenumsätzen. Die Top-Angestellten (also Spieler) bekommen Millionengehälter und verdienen damit mehr als fast alle Angestellten in Deutschland. Warum man für diese Wirtschaftsunternehmen die Sicherheitskosten übernimmt, ist mir immer noch ein Rätsel. Ich hoffe, das Bremer Beispiel macht bald die Runde.

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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Zarastro » Mi 6. Jan 2016, 18:18

Naja, Fußballvereine sind aber auch Unternehmen und zahlen dementsprechend auch Steuern und -anders als bis vor kurzem in Spanien - das auch nicht zu knapp. Darüber hinaus sind sie vor allem in strukturschwachen Städten wie Gelsenkirchen und Dortmund ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, d.h. die Städte stellen ihnen nicht selbstlos die Sicherheit, sondern profitieren selbst massiv von ihnen. Ich persönlich fände es zwar durchaus gerechtfertigt, wenn man die Vereine stärker an den Kosten beteiligt (jeder Erstligaverein könnte pauschal je nach Einnahmen 500.000€ - 1.000.000€ pro Jahr wohl verkraften) aber man sollte die oben genannten Faktoren auch berücksichtigen.

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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von ccfcsvw » Mi 17. Mai 2017, 18:38

Die DFL hat nun also in erster Instanz gewonnen. Natürlich ist das nur die erste und nicht die letzte Instanz. Es bleibt also abzuwarten, wie die weiteren Instanzen das sehen.
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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von ccfcsvw » Mi 21. Feb 2018, 19:58

Knapp ein Jahr nach der ersten Instanz hat die zweite Instanz anders entschieden und dem Land Bremen Recht gegeben. Jetzt geht's dann wohl vor das Bundesverwaltungsgericht...
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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Vollspann » Mi 21. Feb 2018, 20:30

ccfcsvw hat geschrieben:Knapp ein Jahr nach der ersten Instanz hat die zweite Instanz anders entschieden und dem Land Bremen Recht gegeben. Jetzt geht's dann wohl vor das Bundesverwaltungsgericht...
Und das mit Verweis auf "Gewinnerzielungsabsicht".
Sollte man bedenken bei der Diskussion über die Abschaffung von 50+1. Wo die vorrangig kommerzielle Ausrichtung bisher noch strittig ist, würde diese Strittigkeit damit dann wohl hinfällig.
Und es ging hier bei einem einzigen Spiel um Kosten von 425.718,11 Euro!
Zuletzt geändert von Vollspann am Mi 21. Feb 2018, 20:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Vollspann » Mi 21. Feb 2018, 20:46

Zarastro hat geschrieben:Naja, Fußballvereine sind aber auch Unternehmen und zahlen dementsprechend auch Steuern und -anders als bis vor kurzem in Spanien - das auch nicht zu knapp. Darüber hinaus sind sie vor allem in strukturschwachen Städten wie Gelsenkirchen und Dortmund ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, d.h. die Städte stellen ihnen nicht selbstlos die Sicherheit, sondern profitieren selbst massiv von ihnen. Ich persönlich fände es zwar durchaus gerechtfertigt, wenn man die Vereine stärker an den Kosten beteiligt (jeder Erstligaverein könnte pauschal je nach Einnahmen 500.000€ - 1.000.000€ pro Jahr wohl verkraften) aber man sollte die oben genannten Faktoren auch berücksichtigen.
Eine solche Gegenrechnung wäre systemwidrig und ist nirgendwo üblich. Auch wenn du andere kommerzielle Groß-Veranstaltungen machst, zahlst du Steuern und der Ort profitiert indirekt -vielleicht- davon. Aber wenn danach die Umgebung mit Müll überschwemmt ist, musst du ihn trotzdem entweder selbst entsorgen oder für die Entsorgung bezahlen.
Diese Art von Aufrechnung gibt es im Steuer- und Gebührenrecht meines Wissens nirgends.
Bei der Loveparade war übrigens der Knackpunkt meines Wissens, dass ihre Einstufung als politische Demonstration angezweifelt wurde, wofür es ebenso wie für mehr oder weniger gemeinnützig organisierte Veranstaltungen eine Befreiung von der Kostenträgerschaft gibt.

Wie bereits gesagt, ist der Knackpunkt also eben ob BuLi-Fußballvereine, noch Vereine sind (ermäßigter Umsatzsteuersatz + keine Allgemeinkostenbeteiligung) oder, wie du sagst, normale Unternehmen, die dann eben alles voll bezahlen müssen.

Noch schweben sie in vielerlei Hinsicht so im Halb-Halb, je nachdem, was für sie günstiger ist. Dass das bisher ging, ist wohl politischem Opportunismus geschuldet. Und der Tatsache, dass sie eben noch nicht offen vollständig vom Vereinskonstrukt abgetrennt sind.
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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Zarastro » Fr 23. Feb 2018, 00:18

Mal schauen, was die nächsthöhere Instanz dazu sagen wird. Ich bin kein Jurist, deshalb kann ich die rechtliche Seite nicht einschätzen.

Gefühlt kann ich beide Seiten verstehen. Über die Situation in Bremen kann ich nichts genaueres sagen, soweit ich weiß leidet die Stadt ja auch z.B. darunter, dass zwar viele Menschen dort arbeiten, jedoch im Umland wohnen und deshalb dort keine Steuern zahlen.

Ich erinnere mich aber noch sehr gut an einen langen Artikel, der anlässlich des CL-Finales 12/13 über den BVB geschrieben wurde. Dort stand z.B. dass Dortmunder Hotels seit dem sportlichen Wiedererstarken des BVBs eine Zunahme an Übernachtungen verbuchen konnten und noch andere Indikatoren, an denen man ablesen konnte, dass die Stadt Dortmund vom BVB profitierte. Gerade für die Ruhrgebietsstädte sind die Vereine im Grunde unbezahlbar, (wodurch wäre z.B. Gelsenkirchen ansonsten bekannt?).

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Re: Kostenbeteiligung der Bundesligaclubs an Polizeieinsätzen

Beitrag von Macaroli » Sa 24. Feb 2018, 17:31

Juristisch ist das für Leute wie mich nicht einzuschätzen. Alles andere ist eher eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Eigentlich sollte es in einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft normal sein, dass selbst zehntausende von Menschen in gegenseitiger Rücksichtnahme kein allzu großes Aufgebot von Ordnungs- und Sicherheitskräften benötigen. Aber die Welt ist halt nicht so, wie man sie sich wünschen würde. Hooliganszenen würden Spieltag für Spieltag ihren eigenen kleinen Bürgerkrieg ahbalten. Ungeschützte Stadien voll gepackt mit TV-Kameras und Menschenmassen ohne Ende wären dazu noch ein Ziel für Terrorangriffe. Traurig eigentlich.

Ich finde, die Lösung in der Mitte, wäre hier durchaus nicht verkehrt. Die Vereine werten eine Region ungemein auf. D. h. sie verursachen nicht einfach nur Kosten. Sie stärken in der Tat die Infrastruktur. Weiterhin sind die Vereine aber auch an den Ort gebunden, an dem sie ihre Spiele austragen. Sie profitierten und profitieren von vorhandenen Infrastrukturen und natürlich zahlen sie da auch Steuern, wenn sie Gewinn erwirtschaften. Völlig unmoralisch würde ich aber eine Mitfinanzierung nicht finden. Die Gewinne sind eben auch hoch wie nie und die Polizei hat alle Hände voll zu tun, dass auch die Stadionwege sicher begleitet werden.
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