Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Diskussionen über die 5JW der Saison 19/20,
nach deren Ergebnissen in der BL Saison 20/21 die Teilnehmer ausgespielt werden,
welche dann 21/22 in der CL/EL spielen
gast

Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von gast » So 15. Jul 2018, 22:47

Ich glaube nicht, dass die bezüglich James so doof sind. Sollte er gehen, werden die Bayern eben einen Ersatz suchen müssen bzw. taktische Neuüberlegungen anstellen. Sie sollten dann allerdings auch mit einer gewissen Weitsicht handeln, das sollte man schon erwarten, d.h. einen Plan B muss es schon geben. Dann wird es ja interessant: Welche personellen Möglichkeiten hat man dann? Wir lesen hier viel über das Scouting und sowohl bei Spielern als auch bei Trainern gibt es zwei "begrenzende" Faktoren bei der Auswahl:
1. Quantität (Während alle "Löw raus" brüllen, macht sich zum Beispiel keiner Gedanken über einen (besseren) Nachfolger? Gibt es da einen?
2. Qualität (Man geht immer ein Risiko ein, weil es um Menschen geht und man nicht alles vorauskalkulieren kann.)

Wenn man aber rein sportlich denkt, dann berücksichtigt eine gute Scouting-Abteilung eben beides. Das hat zur Folge, dass es nicht funktioniert, immer nur knauserig zu sein, sondern bei begrenzter Quantität ist ein höheres Investieren notwendig, da es ja auch noch die Konkurrenz gibt und man eben die besten Leute holen muss...rein sportlich gedacht, wie gesagt...zum Punkt Qualität fehlt dem Zuschauer oder Forumisten vermutlich der Einblick in die Detailarbeit der Scouts...entscheidend ist aber auch der Rahmen...

Mich würde zum Beispiel interessieren, wie hoch die Verletzungsanfälligkeit im Durchschnitt verglichen zwischen den Top-Ligen pro Spieler ist...das hat dann z.B. auch darauf Auswirkungen, wie man in Bezug auf die Belastung (ergibt sich aus Anzahl der Spiele) seinen Kader plant. Das richtige Maß an Konkurrenzkampf im Kader ergibt sich aus seiner Größe und trägt zum (Miss)Erfolg bei...Das Gehaltsgefüge ist dann ebenso ein Faktor.
Merke: Stellschrauben gibt es genug, z.B. Ausgaben für ein Mediziner-Team sind gering, aber der "Ertrag" im Verhältnis hoch. An der Menge von Stellschrauben gemessen fehlt mir in der BuLi auch ein klares Konzept. Es ist gefühlt ein Einheitsbrei vorhanden.
Talente, die wenig kosten, sind willkommen, ansonsten kommen nur Namen, die man vorher nicht kannte...aber kein Team kann so richtig herausstechen.
Global betrachtet macht das die Liga auch durchschaubar und berechenbar. Über unseren NLZs kreisen schon britische Scouting-Adler...
es fehlt an Abwechslung und einem größeren Spektrum an Strategien.

Natürlich ist es gut, Nachwuchsleute auszubilden oder voranzubringen...aber es reicht einfach nicht, sich darauf zu verlassen und alles auf diese Münze zu setzen, vor allem, da es eben nicht nur "goldene", sondern auch "blecherne" Generationen gibt, auch bei den Trainern und bei den Managern.

Der Mangel an Risiko ist aber ein besonderes Phänomen, das ich in der Bundesliga seit jeher beobachte, das lieber erst so spät wie gerade so notwendige Wahrnehmen von Strategien, die im internationalen Fußball meist schon Gang und Gäbe sind, das Vermeiden von Innovation, Risiko und Kreativität, um Besitzstandswahrung, Status-Quo-Erhalt und Konservativismus Vorrang zu geben. Das ist an sich nichts Neues, aber haben wir schonmal über Grundhaltungen diskutiert, über Tieferliegendes? Nein, vermutlich nur über das, was Auswirkung dessen ist. Aber es gibt seit 20 Jahren nichts Neues unter der Sonne des deutschen Fußballhimmels. Vor 10 Jahren gab es mal (zumindest in diesem Forum) eine Aufbruchsstimmung in Richtung Platz 3 in der 5-Jahreswertung und heute sind wir wieder an dem Punkt von davor angelangt. Die Top-3 sind dieselben wie damals und wir fragen uns, wo wir hinkönnen, vor uns die Elite und Frankreich in unserem Rücken. Es hat sich nichts geändert.

Klar, Zyklen gibt es immer wieder, aber die Werte in der 5-Jahreswertung sind im Falle der BuLi in der Spitze weniger extrem, sodass die BuLi innerhalb einer Saison um 2 Plätze fällt. Wie lang brauchte sie, um diese 2 Plätze zu steigen? Es wird eine Tendenz deutlich, das wirft die Frage auf, wann man von einer Krise sprechen sollte. Dazu sollte man aber wissen, was eine Krise ist. Das misst sich an den eigenen Ambitionen. Klar, man kann es sich bequem machen und eben richtigerweise anmerken, dass die BuLi seit jeher global betrachtet gemessen am Bekanntheitsgrad und an der Zahl der Titel, Fans und TV-Zuschauer immer noch weit hinter ITA, ENG, SPA liegt. Dann ist man fein raus. Wenn man sich aber stets darauf beschränkt, den Erfolg der anderen zu rechtfertigen, anstatt den eigenen zu suchen, dann wird man das Wort Krise nie in den Mund nehmen müssen.

Wenn ich ein Unternehmen haben will, was ich niemals in einer Krise haben möchte, dann habe ich drei Möglichkeiten:
1. Mein Unternehmen ist nicht gewinnorientiert bzw. hat keine Ziele.
2. Ich verkaufe es bzw. eigentlich gibt es dieses Unternehmen für mich garnicht.
3. Ich führe es gut, d.h. ich setze Ziele und erreiche sie.

Für die BuLi fällt Nummer 1 weg, da die Liga eine Sportliga ist und beim Sport geht es ums Gewinnen. Es muss Ziele geben, und zwar realistische, die erreicht werden, wenn möglichst alle Ressourcen genutzt werden.

Fall 2 fällt auch weg, weil es die Liga noch gibt.

Fall 3 ist das einzige verbleibende Szenario. Dieses setzt das Vorhandensein von Zielen voraus. Ich sehe diese aber nicht. Das einzige, was man hört, ist, dass die BuLi "NICHT alles mitmachen" will oder "NICHT um jeden Preis" Erfolg haben will oder "NICHT die Fankultur oder die günstigen Preise" aufgeben will...es geht stets darum, was man nicht will, statt darum, was man will. Etwas Erhalten ist auch nicht als Ziel anzusehen, da es sich ja um ein bereits erreichtes Ziel handelt.

Ich schlage zudem vor, dass das Thema Nationalelf in diesem Thread eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die Zusammenhänge sollten aber gerne erörtert werden. Ich bin der Meinung, dass die Nationalelf auf lange Sicht nicht abstürzt, sondern wie die meisten anderen Nationen immer wieder zur Elite gehört, die von Verbandsseite ja auch gefördert wird.

Fazit zum Vorherigen: Der derzeitige Zustand des deutschen Fußballs hinsichtlich seiner Konkurrenzfähigkeit ist nicht optimal...

...allerdings gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, als wenn die Mehrheit genau dies möchte bzw. kein anderer Weg erwünscht ist...

...ergo:
Der derzeitige Zustand des deutschen Fußballs hinsichtlich seiner Konkurrenzfähigkeit ist nicht optimal und dabei gleichsam Ausdruck des mehrheitlichen Willens...

Welche Liga kann noch so etwas von sich behaupten :?: :?: :?:

gast

Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von gast » Mo 16. Jul 2018, 22:29

Meine Prognose: Die Bundesliga wird auf Jahre hin nicht mit den Top3-Ligen mithalten, der Abstand wird im besten Fall gleich bleiben, es sei denn eine der 3 Ligen stürzt plötzlich hart ab oder es gibt fundamentale Veränderungen in der Bundesliga.

Frankreich halte ich für nur schwierig einzuschätzen...aber sie haben es streng genommen in der eigenen Hand, weiterhin entscheidend Rückstand auf die BuLi zu verkürzen...

Diese Prognose ist meines Erachtens ein realistisches Szenario, das dem bedarf, was schon geschah...das "Auf-dem-Reißbrett-Geplante" mittelfristige Aufbauen von Distanz zur Elite...da hat man jahrelang schon daran gearbeitet und wird das zumindest gemäß dem gegenwärtigen Trend auch weiterhin tun. Wenigstens ist die Zukunft dann ja "verlässlicher" als das "Hin und Her" bei der Nationalelf...

Spannung kommt dann ja aus Sicht der BuLi in der 5J-Wertung erst dann auf, wenn mal wieder ein Positionswechsel in Aussicht ist...mit anderen Worten:
Diese Saison kommt dafür vermutlich (noch) zu früh...die spannenden Fragen im Moment lauten z.B.: Schafft es Leipzig als angeblicher Bayern-Verfolger in der glorreichen Euroleague in Topf 2?

Davon abgesehen empfinde ich die derzeitigen Platzierungskämpfe der "kleinen Nationen" sportlich spannender als die Trainingseinheiten der "großen Klubs" in ihrer CL-Gruppenphase...von daher besten Dank für die Spieltagszusammenfassungen...

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Macaroli » Mi 18. Jul 2018, 20:07

gast hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass die bezüglich James so doof sind.
Ich hoffe mal nicht. So wie es aussieht habe ich da auch etwas zu schnell auf halbseriöse Meldungen reagiert. Nun kommt die Aussage von seiner Berateragentur, dass er definitv die kommende Saison bei Bayern aufläuft. Und dann hat Bayern ja die Kaufoption. Und diese Kaufoption liegt in etwa bei der Hälfte seines aktuellen Marktwertes (ca. 80 Mio. €). Ja, sie wären schön doof, wenn sie ihn wegen der guten Stimmung zu Real nicht an sich binden würden.

@gast:
Es wird schon so sein, dass der Vereinsfußball hier eine deutlich größere Rolle spielt, aber wie Du sagst, sollte man sich Zusammenhänge mal anschauen und ein paar Schnittmengen gibt es einfach. Deswegen habe ich es in meinen Eingangsthread mit rein gepackt. Möglich ist beides: Eine Weltklasse-Nationalelf sowie eine Weltklasse Liga zu haben (s. Spanien - seit keine Ahnung wie vielen Jahren) - man kann auch Weltmeister werden und eine Liga haben wie die Bundesliga (s. Deutschland), sowie umgekehrt eine Liga, die mit Spanien konkurriert und eine lange Jahre bescheidene Nationalelf (s. England zumindest bis zur diesjährigen WM).

Wenn ich das so schreibe merke ich aber auch wieder, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Und man muss für alle zukünftigen Erfolge immer wieder was tun und sich immer mal wieder auch neu erfinden. Und es ist meine Vermutung, dass dieses neu erfinden in einigen Ländern besser klappt, als in Deutschland. Bei uns ist dieses Bestreben, lieb gewonnenes behutsam zu pflegen und nicht zu sehr zu verändern. Und ein bißchen Wachstum haben wir ja auch. Aber um es mal aus meinen Arbeitserfahrungen der letzten 2 Wochen zu sagen: Einfach nur erhalten ist ein Rückschritt. Wenn am Ende der Unternehmensbilanz eine schwarze +1000 € steht, dann ist das für Millionenunternehmen kein gutes Ergebnis. Weil das ist dann nur genau 1000,- € von der Verlustzone weg. Wie will man damit investieren und wachsen? Vor allem, wenn der Gesamtmarkt nach wie vor rasant wächst.

Das war jetzt natürlich als Metapher gemeint. Aber sportlich sehe ich das so. Und wir hauen uns die Grenzpflöcke selber rein.
gast hat geschrieben:Das einzige, was man hört, ist, dass die BuLi "NICHT alles mitmachen" will oder "NICHT um jeden Preis" Erfolg haben will oder "NICHT die Fankultur oder die günstigen Preise" aufgeben will...es geht stets darum, was man nicht will, statt darum, was man will.
Das sind natürlich pauschalaussagen, die ich aber genau so in Foren wie auch in Zeitschriften lese. Ich vertrete durchaus die Auffassung, dass sich unsere Bundesliga mit den besten Ligen Europas und damit der Welt messen können sollte. Gut, mal verliert man, mal gewinnt man. Auch da kann es gute Jahre, wie schlechte Jahre geben. Aber das Problem in Deutschland ist, dass es nach meinem Emfpinden bereits einen nicht ganz unwesentlichen Anteil an Fans, Vereinsverantwortlichen wie auch Sportjounalisten gibt, die einfach sagen, wir müssen uns dem Wettbewerb auf höchster Ebene nicht stellen, weil Spanien ist sportlich eh unerreichbar und England finanziell - Ne, da machen wir doch lieber das was wir können, bleiben vielleicht ein Level darunter, aber gut. ... Und dann kommt in der Regel eine kleine Aufzählung, was bei uns scheinbar besser ist, was ich zum Teil aber auch anzweifeln würden, wenn z. B. der Nachwuchs, die finanzielle Gesundheit der Vereine wie auch die Fankultur gelobt werden.

Diese Punkte sind alle okay, aber auch nicht mehr. Woanders wird auch gesund gewirtschaftet, gibt es treue Fans, die ein lange Tradition pflegen und auch der Nachwuchs wird anderswo spitzenmäßig gefördert. Manchen genügt das aber schon, so mein Eindruck.

Das ist in etwa so, als wenn ich einen Andreas Rettig von St. Pauli davon überzeugen möchte, dass es schön wäre, wenn mehr Bundesligavereine als der FC Bayern einen Europapokal gewinnen könnten. Dann würde der mir wahrscheinlich sagen, dass ihn eigentlich auch Bayern München schon stört und er es besser fände, wenn die mal schwächer wären. Überspitzt gesagt.
gast hat geschrieben:Natürlich ist es gut, Nachwuchsleute auszubilden oder voranzubringen...aber es reicht einfach nicht, sich darauf zu verlassen und alles auf diese Münze zu setzen, vor allem, da es eben nicht nur "goldene", sondern auch "blecherne" Generationen gibt, auch bei den Trainern und bei den Managern.
Ich glaube, man kann durchaus mit einer entsprechenden Nachwuchsförderung vieles bewegen. Für mich ist das ein sehr gewichtiger Grund, warum Spanien in den letzten Jahren, nein Jahrzehnten kein wirklich schlechtes Jahr in der 5-JW hatte. Und Deutschland hatte sich angenähert, hatte Erfolge im Nachwuchsbereich, die bis in die ersten Mannschaften reichten. Und dann? Als dann die Leistungszentren standen, wurden diese nicht genügend weiter entwickelt. Als zur Beginn des Jahrtausends der Nachwuchs neu organisiert wurde, war man tatsächlich mal ein paar Jahr weiter als viele andere. Aber mittlerweile steht ein Nachwuchszentrum bei jedem englischen, französischen und auch niederländischem Erstligisten. Das ist kurz gesagt nichts besonderes mehr.

Ich habe ein Interview mit Stefan Kuntz gefunden, der in einem Nebensatz sagte, dass andere Nationen ihr System weiterentwickelt und angepasst haben und Veränderungen auch umsetzen. Im Bezug auf den Ausbau des Nachwuches sagt er "Sie sind uns gegenüber in vielen Bereichen schneller, dynamischer und genauer". Das hört sich so an, als würden dort bereits Dinge perfektioniert, von denen wir noch diskutieren, ob wir sie überhaupt machen sollen. Dann sind wir wieder beim alten Thema.
gast hat geschrieben:Der derzeitige Zustand des deutschen Fußballs hinsichtlich seiner Konkurrenzfähigkeit ist nicht optimal und dabei gleichsam Ausdruck des mehrheitlichen Willens...

Welche Liga kann noch so etwas von sich behaupten :?: :?: :?:
Weiß ich nicht, ob man das so sagen kann. Ich merke bei meinem Post, dass ich gerade wieder viel gemeckert habe. Der Zustand der Konkurrenzfähigkeit ist nicht optimal, das kann man so sagen, aber er ist deutlich besser, als die letzte Saison inklusive WM uns vermittelt haben. Vereine wie Östersund, Domzale & Co. wären in Deutschland auf Sicht nicht mal Zweitklassig. Da muss man ganz klar an den Auftritten der Vereine appelieren und diese auch kritisieren. Diese Massenpleite mit Quittung für die 5-JW war komplett unnöttig. Und auch der Stand der Nationalelf ist nicht hinter Südkorea.

Für einen dauerhaften Spitzenplatz muss sowohl für die Bundesliga, als auch für die Nationalelf einiges verbessert werden. Für bloß Platz 4 in der 5-JW ist es noch nicht einmal so viel, was passieren muss. Die Bundesliga müsste dafür als Minimum ihre Pflicht erfüllen und mit einer Mehrzahl an Klubs überwintern. Es sei denn von hinten kommt Frankreich kräftiger auf. Aber eigentlich sind die auch nur ein Thema, weil die Bundesliga so schwach war im vergangen Jahr. Das Frankreich oder jemand anderes da hinten nun gewaltig aufrauscht sehe ich noch nicht. Aber wie gesagt, nichts ist in Stein gemeißelt.
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport - und nichts für Tunten. (Axel Kruse)

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Joachim Franz » Sa 18. Aug 2018, 16:36

Macaroli hat geschrieben:
Di 10. Jul 2018, 23:22
Noch ist die WM nicht ganz zu Ende, da fanden auch bereits die ersten Quali-Spiele im Europapokal statt. Ich fühle mich da so zwischen der alten und bereits der neuen Saison. Nicht nur, weil die WM so enttäuschend für Deutschland endete, aber auch deshalb finde ich die Frage nach der internationalen Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs zu spannend. ...Sind England und Spanien auf lange Sicht unerreichbar? Können wir mit Italien noch mithalten. Drohen uns Frankreich und nachfolgende Nationen den 4ten Platz in der 5-JW streitig zu machen?

Natürlich interessiert uns hier der Europapokalfußball im Forum am Meisten. Dennoch würde ich hier aber gerne die Nationalmannschaft mit einbeziehen.
Ich habe hier die Diskussion vor einem Monat während der WM leider verpasst und jetzt erst nachgelesen. Im Herbst 2017 habe ich mich ja hier schon sehr kritisch über unser Fiasko im Europapokal geäußert. Damals konnte ich mir aber nicht im Traum vorstellen, dass die Nationalmannschaft bei der WM das gleiche Fiasko erleben würde. Wie schnell doch im Fußball die Zeit vergeht. Im letzten Herbst sah man die NM noch auf dem Höhepunkt. Die NM hat die beste WM-Quali aller Zeiten hingelegt (10 Spiele, 10 Siege) und hat mit dem zweiten Anzug sogar den Confed-Cup gewonnen. Und in der FIFA-Weltrangliste stand man bis zur WM auf Platz 1. Wer noch vor ein paar Monaten ein Vorrunden-Aus bei der WM prognostiziert hätte, wäre für verrückt erklärt worden. Das Fiasko im Europapokal hätte man vor der Saison 2017/18 genauso wenig erwarten können. Außer der zeitlichen Nähe sehe ich aber zwischen dem Fiasko im Europapokal und dem bei der WM keinen Zusammenhang. Heutzutage, und das schon seit etwa drei Jahrzehnten, gibt es diesen Zusammenhang zwischen NM und heimischer Liga nicht mehr. 7 von 8 Viertelfinalisten der WM haben eine schwächere Liga als die BL (URU, BRA, SWE, RUS, FRA, BEL, KRO). Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen einer schwachen Liga und einer schwachen Nationalmannschaft. Vor 30 Jahren, als die meisten Fußballer noch in der heimischen Liga spielten, da kann man noch nach Zusammenhängen suchen, aber nicht mehr heute im Zeitalter der Globalisierung.
Zusammengefasst heißt das, wir haben ein Fiasko bei der WM und zuvor im EC erlebt, aber beides hat nichts miteinander zu tun. Welche Spieler des WM-Kaders waren denn überhaupt letzte Saison beim Fiasko im Europapokal beteiligt? Der FCB hat kein Fiasko erlebt, bei RB (Werner) kann man auch nicht davon sprechen. Bleiben vom WM-Kader nur noch Plattenhardt (HBSC), Reus (BVB) und Hector (Köln) als Spieler übrig, deren Clubs im EC ein Desaster erlebten, wobei Hector den EC-Auftritt von Köln aufgrund Verletzung auch noch fast komplett verpasste also auch unbeteiligt war. Reus hat dem BVB auch in der CL gefehlt. Die Schnittmenge zwischen WM- und EC-Fiasko umfasst also gerade mal einen einzigen Spieler: Plattenhardt. Und Plattenhardt, der eines von drei Vorrundenspiele bestritten hat, hatten nun wirklich nur einen äußerst geringen Anteil am WM-Fiasko. Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen dem schwachen Abschneiden im EC und bei der WM. Wenn sich dann DFB-Boss Grindel nach dem WM-Aus vor die Presse stellt, und der BL eine Mitschuld am WM-Desaster zuschiebt, dann ist das pures Abschieben von Verantwortung an eine Seite, die mit dem WM-Fiasko nichts zu tun hat.

Wir haben es also mit zwei Problemen zu tun. Das der NM und das der BL, die voneinander unabhängig sind, auch wenn sie zeitlich nah zueinander stehen. Die NM ist dabei konkurrenzfähiger als die BL. Bei der WM haben etliche Nationalspieler (Kroos, Khedira, Özil, Müller, Kimmich, Gündogan, Gomez) weit unter Form der Saison 17/18 im Verein gespielt. Auch Goretzka, Werner und Draxler haben nicht in der Form wie vor einem Jahr beim Confed-Cup gespielt. Wenn quasi der komplette Kader mehr oder weniger deutlich unter Normalform spielt, dann muss es dafür triftige Gründe geben. Es wird aller höchste Zeit, dass sich Löw dazu endlich äußert. Der Leistungseinbruch war erstmals im März gegen Brasilien spürbar, hat sich dann in den letzten Testspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien noch einmal verschärft. Aus diesem Leistungstief ist die NM bei der WM nicht mehr herausgekommen, auch wenn Löw vor den Kameras immer wieder predigte wie gut die Mannschaft trainiert und wie gut die Stimmung in der Mannschaft sei. Entweder wollte Löw die Situation beschönigen oder er unterlag einer Fehlenschätzung. Aber wie gesagt, das sind Probleme innerhalb der NM und die haben nichts mit der BL zu tun. Die BL ist nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut wie die spanische und englische Liga. In Deutschland neigt man immer zu Übertreibungen. Noch vor einem Jahr (Mitte 2017) haben sich viele über die englische und italienische Liga lustig gemacht. Man freute sich über das frühe aus englischer Topteams wie ManU, ManCity, Tottenham und Liverpool in der CL, darüber dass Arsenal von Bayern eine Klatsche nach der anderen erhielt und dass italienische Teams internatinal eh nix holen. Das war der schadenfrohe Tenor in Deutschland noch vor einem Jahr. Und nun nach dem desaströsen Abschneiden 17/18 ist die Stimmungslage im anderen Extrem. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Der deutsche Fußball war nicht wie noch bis Mitte 2017 gedacht an der Spitze und die BL schon gar nicht vor englischer und italienischer Liga. Und nun ist der deutsche Fußball auch nicht so schlecht, wie er gemacht wird. Allerdings mit der engl. und span. Liga wird man so schnell nicht wieder mithalten können. Bei der PL habe ich mich eher gewundert, warum die nicht schon seit zwei oder drei Jahren diesen Erfolg hatten wie letzte Saison. Irgendwann muss sich aber auch die finanzielle Kraft irgendwie auch in sportlichen Erfolgen zeigen. Die spanische Liga hat mMn einen entscheidenden Vorteil, der viel zu wenig Erwähnung findet. Den Bezug zu Mittel- und Südamerika, sprachlich wie kulturell. In diesen Ländern ist Fußball Nationalsport Nr. 1 und das sind Fußballnationen die mit Europa auf Augenhöhe sind (ARG, BRA, CHL, URU, KOL, MEX). Und diese Fußballer zieht es in die spanische Liga und nicht in die BL. Es gibt kaum einen spanischen Erstligaclub, der keine Spieler aus Süd- oder Mittelamerika hat. Wo sind diese Spieler aber in der BL? Da fallen mir in den letzten Jahren gerade noch James und Vidal als Spieler von internationaler Klasse ein. Ausländische Spieler bezieht die BL meistens aus den Nachbarländern AUT, CH, POL, Tschechien und diverse Balkanländer. Aber die haben nun mal nicht die Qualität wie Nationalspieler aus BRA, ARG, CHL oder KOL. Außerdem haben sich spanische Clubs im Gegensatz zu BL-Clubs in den letzten Jahren enorm verschuldet. Sie geben also für Transfers und Spielergehälter mehr aus als sie eigentlich tragen können. Wie wäre es sonst möglich, dass Atlético mit geringeren Einnahmen als BVB und S04 sich seit Jahren Griezmann leisten kann. Der Abstand zur span. und engl. Liga wird sich in den nächsten Jahren also eher vergrößern. Ich wüsste allerdings nicht, warum die BL nicht mit der ital. und frz. Liga mithalten kann. Deren Clubs haben eine noch geringere Finanzkraft als BL-Clubs, weshalb ja auch fast die komplette frz. NM in England und sonstigem Ausland spielt, was für deutsche Nationalspieler noch nicht in dieser Häufigkeit zutrifft.

Wo steht also der deutsche Fußball? Wenn es in der NM stimmt und die Nationalspieler können ihre Leistung abrufen, dann kann die NM auch um den Titel mitspielen. Was den EC angeht, so ist seit Jahren eh nur der FCB konkurrenzfähig. Aber gerade in der EL wäre mehr drin. Wenn in den letzten Jahren Marseille, Ajax und Dnipro das EL-Finale erreicht haben, dann sollte das auch für BL-Clubs möglich sein und man muss das bisherige internationale Abschneiden der BL-Clubs einfach als kläglich einstufen.

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von garfield335 » Sa 18. Aug 2018, 21:08

ich habe mal eine allgemeine Frage.

Düdelingen hat ein Etat von 3mio und kassiert jetzt rund 1mio Prämien vun der Uefa
Niedercorn hat gerademal die Hälfte an Etat und konnte dennoch fast UFA ausschalten.

Wo würden diese Vereine im deutschen Ligasystem stehen?

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von BenSchreck » So 19. Aug 2018, 12:17

garfield335 hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 21:08
ich habe mal eine allgemeine Frage.

Düdelingen hat ein Etat von 3mio und kassiert jetzt rund 1mio Prämien vun der Uefa
Niedercorn hat gerademal die Hälfte an Etat und konnte dennoch fast UFA ausschalten.

Wo würden diese Vereine im deutschen Ligasystem stehen?
Den Vergleich finde ich nicht sinnvoll.
Sooo kleine Nationen, in denen die nationale Liga nicht wirklich interessant ist, legen gerne mal einen besonderen Augenmerk auf den internationalen Vergleich, weil dann Einnahmen in wirklich unbekannten Dimensionen winken, sie plötzlich in einen 5-10mal größeren Stadion spielen mit einer internationalen Aufmerksamkeit, da will man als Spieler gerne mal auf sich aufmerksam machen (vlt winkt ein Angebot aus einer größeren Liga?), die Leistung steigt sprunghaft an. Adrenalin, Stimmung im Stadion usw.

Der andere Gedanke gilt dem weiter oben angesprochenen Thema Nationalmannschaft - nationale Liga. Da gilt das oben Gesagte für die Top8-Nationen etwa - gute Liga, gute NM (Ausnahme bis 2017/18 England). Aber der Blick auf NMen wie WM-Finalist Kroatien, Belgien, Wales oder als Paradebeispiel Island, deren Liga gut in die 30er bis 40er-Ränge passt, die seit einigen Jahren aber regelmäßig in den Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen, zeigt, dass NM und Liga dort keinerlei Bezug mehr haben. Auch Irland passt da rein - da wird in der Liga vor 1500 - max 8000 Leuten gespielt (also jetzt Island, Irland etc). Wie sind denn die Zuschauerzahlen in der Schweiz oder Österreich?

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Macaroli » So 19. Aug 2018, 21:25

Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
7 von 8 Viertelfinalisten der WM haben eine schwächere Liga als die BL (URU, BRA, SWE, RUS, FRA, BEL, KRO). Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen einer schwachen Liga und einer schwachen Nationalmannschaft.
Guter Vergleich. Daran habe ich gar nicht gedacht, das mal anzuschauen. Ich sehe es prinzipiell genauso, dass man Erfolg oder Misserfolg für eine jeweilige Landesliga und eine Nationalelf trennen kann. Paradebeispiele sind unter anderen Island oder Irland, deren Spitzenspieler in der Regel in anderen Ligen spielen. Oder auch die Niederlande, deren Nationalelf diesmal zwar nicht bei der WM dabei war, aber eigentlich immer wieder Spieler auf höchstem Niveau ausbilden kann und mitunter zu einem der erweiterten Titelkandidaten zählen könnte, wie es auch schon öfter war.
Trotz allem frage ich mich, ob 5 der diesjährigen WM-Viertelfinalisten diesen Erfolg in absehbarer Zeit noch einmal wiederholen können. So ein Turnier ist immer nur ein sehr kurzer Blick. Spätestens in der K.O.-Runde kann alles passieren. Deutschland hätte 2014 auch an Algerien scheitern können. Statt Triumph wäre das dann schon eine herbe Enttäuschung gewesen.
Ich würde aber nicht so weit gehen, dass es gar keinen Zusammenhang gibt. Ein Land das ein gewisses Interesse am Fußball hat und auch dahingehend eine Infrastruktur besitzt, wird eine gewisse Qualität und auch eine gewisse Masse an Fußballern hervorbringen können. Dies wird sich dann in Liga wie auch Nationalelf bemerkbar machen. Aus diesem Grund habe ich Nationalelf und Liga in diesen Thread gepackt. Es gibt doch Faktoren, die beide betreffen. Ein guter Nachwusch in Deutschland, beispielsweise, nützt der Nationalelf wie auch der Liga. Aber man kann sich davon auch abkoppeln, siehe Italien, welches schon traditionell viele Leistungsträger zukauft und nun eine gute Liga, aber keine gute Nationalelf hat.

Was mich noch dazu bewegt hat, war, weil die Krise der deutschen Klubs international wie auch der Nationalelf zusammen. Bis Sommer 2017 war noch alles in Butter, wenn man es ganz vereinfacht sagen möchte, dann ein Absturz. Ich denke auch, dass dies zwei Dinge sind, die mal gar nichts miteinander zu tun haben müssen. Aber die Verbesserungsstrategien betreffen doch beide.
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
Die BL ist nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut wie die spanische und englische Liga. In Deutschland neigt man immer zu Übertreibungen. Noch vor einem Jahr (Mitte 2017) haben sich viele über die englische und italienische Liga lustig gemacht.
Das mit der Stärkeeinschätzung ist sicherlich richtig. Das zieht sich leider durch die Presselandschaft. Noch im Herbst 2017 findet man Berichte (z. B. ein Rangnick-Interview im Kicker), was im englischen Nachwuchs alles schief läuft. Ähnliches findet man auch über die Europacup-Starter. Leider holte die "schwache" PL in ihrer Schwächephase (sagen wir mal ab 2011/12) doch den einen oder anderen Europacup mehr als Deutschland. Da möchte ich nicht die Stärkephasen erleben. Aber es wird sich nicht vermeiden lassen. Wir hatten einfach nur Glück, dass die englische Ausrichtung die letzten Jahre nicht sehr stark auf die Europapokale fokussiert war. Sonst wäre das englische Ergebnis schon vor Jahren besser gewesen. Das sollte nun aber endgültig vorbei sein. Dazu haben die Engländer aber auch an Schwachstellen gearbeitet. Und das nötige Kleingeld hatten sie ja eh schon seit längerem.

Und über die Stärke Italiens bin ich mir nie so richtig sicher. Ronaldo hebt die Liga PR-Technisch, aber sportlich hat ja nur das eh schon starke Juve was davon. Ich glaube immer der Unterschied ist hier, im Vergleich zu Deutschland, eine stark vorhandene internationale Ausrichtung, zumindest in der CL. Rom oder Neapel würde nicht in die Saison gehen und vom CL-Titel sprechen. Sie würden ihn aber auch nicht ausschließen. Beim BvB, umsatztechnisch außer Juve, allen Italienern überlegen, würde man sich alle Ambitionen verbieten. Von den anderen Bundesligisten ganz zu schweigen, obwohl Nagelsmann ja geäußert hat, er will Titel holen. Da bin ich mal gespannt. ^^
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
Die spanische Liga hat mMn einen entscheidenden Vorteil, der viel zu wenig Erwähnung findet. Den Bezug zu Mittel- und Südamerika, sprachlich wie kulturell.
Das ist oft genannt, und ich glaube, das gibt es bis zu einem gewissen Punkt auch. In der Spitze spielt es glaube ich weniger eine Rolle. Die Spieler gehen nach Russland oder China, wenn das Geld stimmt. Aber halt, dann wenn es stimmt. Es gab mal eine Zeit, da war Süd- und Mittelamerika auch in Deutschland stärker vertreten (in der Spitze). Das ist meiner Meinung nach bis zu einem gewissen Grad veränderbar, wenn andere Faktoren stimmen (ja, natürlich auch das Geld)
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
Ausländische Spieler bezieht die BL meistens aus den Nachbarländern AUT, CH, POL, Tschechien und diverse Balkanländer.
Da muss ich teilweise widersprechen. Bei transfermarkt.de gibt es hierfür eine aktuelle Statistik . Es ist richtig, das Österreich und Schweiz relativ stark vertreten sind, aber bevor Polen und die Balkanländer kommen, findet man Spieler aus Frankreich, Brasilien, Niederlande, USA und auch Spanien. Der Unterschied ist vor allem in der Qualität, die Spitzenspieler finden sich mehr in Spanien und England, als denn in der Bundesliga. Aber man muss natürlich auch sehen, dass Österreichs Spitzenspieler Alaba in München dennoch Weltklasse bringt.
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
Außerdem haben sich spanische Clubs im Gegensatz zu BL-Clubs in den letzten Jahren enorm verschuldet. Sie geben also für Transfers und Spielergehälter mehr aus als sie eigentlich tragen können. Wie wäre es sonst möglich, dass Atlético mit geringeren Einnahmen als BVB und S04 sich seit Jahren Griezmann leisten kann. Der Abstand zur span. und engl. Liga wird sich in den nächsten Jahren also eher vergrößern.
Das Fazit verstehe ich nicht ganz. Wenn Spanien über seinen Verhältnissen lebt, dann müsste die Masse an Klubs doch eigentlich mal konsolidieren müssen. Sprich anstatt, dass der Abstand größer wird, müsste er doch dann auch mal wieder schrumpfen? Irgendwann muss es sich doch bemerkbar machen? Zudem ist der Abstand seit Jahren auch bereits so groß, dass eine Steigerung kaum noch möglich ist. Bei England sieht es natürlich anders aus. Hier sind die Einnahmen so hoch, die können sich ihren Status leisten und sie können auch noch mal zulegen.
garfield335 hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 21:08
Düdelingen hat ein Etat von 3mio und kassiert jetzt rund 1mio Prämien vun der Uefa
Niedercorn hat gerademal die Hälfte an Etat und konnte dennoch fast UFA ausschalten.

Wo würden diese Vereine im deutschen Ligasystem stehen?
Hier sind glaube ich tatsächlich mehrere Dinge zu beachten, die einen reinen Zahlenvergleich schwierig machen. Rein von den Zahlen wären diese genannten Vereine unterhalb der dritten Liga. Laut einem Bericht auf sportschau.de liegt der Umsatzdurchschnitt in der 3. Liga bei 8 Millionen €. Für die Regionalliga habe ich auf die schnelle nichts gefunden, aber ich würde mal davon ausgehen, dass selbst die Viertliga-Spitze über Niedercorn liegt. Aber dann könnte man sie vielleicht einsortieren.

BenSchreck hat natürlich auch Recht, wenn er auf die Bedeutung der Spiele für die jeweiligen Vereine hinweist. Für Düdelingen, Domzale und Co. Sind diese Spiele das Highlight des Jahres und vielleicht sogar noch mehr. Für die Vereine aus großen Ligen ist das teilweise eine lästige Pflichtübung. Manchmal sind die dann sogar gar nicht unglücklich, wenn sie dann nicht mehr dabei sind.
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport - und nichts für Tunten. (Axel Kruse)

Joachim Franz
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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Joachim Franz » Mo 20. Aug 2018, 16:33

Macaroli hat geschrieben:
So 19. Aug 2018, 21:25
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
7 von 8 Viertelfinalisten der WM haben eine schwächere Liga als die BL (URU, BRA, SWE, RUS, FRA, BEL, KRO). Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen einer schwachen Liga und einer schwachen Nationalmannschaft.
Ich sehe es prinzipiell genauso, dass man Erfolg oder Misserfolg für eine jeweilige Landesliga und eine Nationalelf trennen kann. Paradebeispiele sind unter anderen Island oder Irland, deren Spitzenspieler in der Regel in anderen Ligen spielen. Oder auch die Niederlande,..
Ich würde aber nicht so weit gehen, dass es gar keinen Zusammenhang gibt.
Heutzutage, wo die besten Fußballer in einer der europäischen Top-Ligen spielen, ist der Zusammenhang zwischen NM und einheimischer Liga nur noch äußerst gering. Der Fußball ist heutzutage vollkommen internationalisiert. Es gibt Vereine, da spielt kaum noch ein einheimischer Spieler. Hier mal von den besten WM-Teams der Prozentsatz an Spielern im 23-köpfigen WM-Kader, die noch in der heimischen Liga spielen:

Weltmeister FRA 8 Spieler (35%)
Vizeweltmeister KRO 2 Spieler (9%)
WM-Dritter BEL 1 Spieler (4%)
WM-Viertelfinalisten BRA 3 Spieler (13%), URU 2 Spieler (9%), SWE 1 Spieler (4%).

Heißt also, wer eine gute NM hat, also viele gute Spieler, deren Nationalspieler spielen fast alle im Ausland, meistens in einer der europäischen Top-Ligen. Das Leistungsniveau zwischen NM und heimischer Liga ist hier fast völlig unabhängig.
Von den erfolgreichen WM-Teams 2018 spielen nur die Nationalspieler von ENG und RUS vor allem in der Heimat. Russische internationale Topspieler gibt es eh nicht und in der russischen Liga wird auch nicht so schlecht bezahlt, so dass es für Russen kein Anlass gibt, ins Ausland zu wechseln. Und für englische Nationalspieler ist die heimische Premier League eh die lukrativste Liga. Trotzdem profitieren die englischen Vereine vor allem von den ausländischen und nicht den einheimischen englischen Spielern. Der Zusammenhang zwischen dem Leistungsniveau englischer Topspieler (engl. NM) und englischer Liga ist also auch eher gering.

Wenn also Joachim Löw sich Ende August zu den Gründen für das WM-Fiasko mal endlich äußert, würde es mich wundern, wenn er das irgendwie in Bezug zu dem Leistungsniveau in der BL bringt, speziell zum desaströsen internationalen Abschneiden von BVB, HBSC, TSGH und Köln im Europacup setzt.

Macaroli hat geschrieben:
So 19. Aug 2018, 21:25
Joachim Franz hat geschrieben:
Sa 18. Aug 2018, 16:36
Außerdem haben sich spanische Clubs im Gegensatz zu BL-Clubs in den letzten Jahren enorm verschuldet. Sie geben also für Transfers und Spielergehälter mehr aus als sie eigentlich tragen können. Der Abstand zur span. und engl. Liga wird sich in den nächsten Jahren also eher vergrößern.
Das Fazit verstehe ich nicht ganz. Wenn Spanien über seinen Verhältnissen lebt, dann müsste die Masse an Klubs doch eigentlich mal konsolidieren müssen. Sprich anstatt, dass der Abstand größer wird, müsste er doch dann auch mal wieder schrumpfen? Irgendwann muss es sich doch bemerkbar machen? Zudem ist der Abstand seit Jahren auch bereits so groß, dass eine Steigerung kaum noch möglich ist.
Die Konsolidierung ist doch schon im Gange. Die Verschuldung spanischer Clubs war Anfang des Jahrzehnts am größten. In den letzten Jahren hat sich die Verschuldung reduziert und der internationale Erfolg spanischer Clubs hat sogar noch zugenommen. Also keine Ahnung wie Atlético mit geringeren Einnahmen als der BVB seit Jahren Griezmann halten kann während der BVB Aubameyang und Dembélé eben nicht halten kann, aber auf einen Leistungseinbruch der Primera Division aufgrund Schuldenkonsolidierung würde ich nicht setzen.

Es würde mich also wundern, wenn der Abstand zwischen BL und span. Liga sich nicht noch vergrößern würde. Damit der Abstand zwischen spanischer und deutscher BL größer wird, dafür müssen spanische Clubs übrigens nicht noch erfolgreicher werden. Weniger internationaler Erfolg der BL-Clubs (bei weiteren Abgängen nach ENG kein Wunder) bei gleichbleibendem spanischen Erfolg tut es auch.
Ich spreche auch nicht davon wie die 5-Jahreswertung 2040 aussieht, aber was die nächsten Jahre angeht, spricht nichts dafür, dass sich der Abstand zwischen BL und spanischer Liga verringert. Vor 5 Jahren hatte die spanische Liga in der 5 JW vor der BL einen Abstand von 15 Punkten, vor zwei Jahren waren es 25 Punkte und 2018 sind es 35 Punkte. Muss ich jetzt Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass in 2 und 4 Jahren der Abstand noch größer sein wird als 35 Punkte?

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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Macaroli » Mo 20. Aug 2018, 22:21

Joachim Franz hat geschrieben:
Mo 20. Aug 2018, 16:33
Heutzutage, wo die besten Fußballer in einer der europäischen Top-Ligen spielen, ist der Zusammenhang zwischen NM und einheimischer Liga nur noch äußerst gering. Der Fußball ist heutzutage vollkommen internationalisiert. Es gibt Vereine, da spielt kaum noch ein einheimischer Spieler. Hier mal von den besten WM-Teams der Prozentsatz an Spielern im 23-köpfigen WM-Kader, die noch in der heimischen Liga spielen:

Weltmeister FRA 8 Spieler (35%)
Vizeweltmeister KRO 2 Spieler (9%)
WM-Dritter BEL 1 Spieler (4%)
WM-Viertelfinalisten BRA 3 Spieler (13%), URU 2 Spieler (9%), SWE 1 Spieler (4%).
Wie gesagt, es ist möglich hier gegensätzliche Ergebnisse zu bekommen. Sprich gute Nationalelf - mäßige Liga. Allerdings greift mir das Ergebnis der WM hier ein bißchen zu kurz und ist in Prinzip erstmal das Leistungsbarometer für die WM-Wochen. Aber Nehmen wir Kroation, Belgien oder Schweden. Wir oft können die voraussichtlich die Erfolge dieser WM reproduzieren? Schweden war davor bei 2 WM´s nicht dabei - Kroatien war seit dem 3. Platz ´98 immer in der Vorrunde weg bzw. auch einmal gar nicht dabei - Belgien 2006 und 2010 nicht qualifiziert.
Nehmen wir Frankreich, Brasilien, Spanien, Deutschland, England oder Italien. Starke Ligen über Jahrzehnte - und auch nach schwächeren Phasen immer wiederkehrende Stärkephasen. Es ist nicht so, dass diese Länder nicht auch mal auf die Nase fallen können, aber das Grundlevel ist einfach höher. Es sind natürlich auch größere Länder, mit einem größeren Pool an Spielern, aber eben auch mit stärkeren Ligen. Und die Leistungsträger der kleinen Länder reiften soweit ich das gerade überschauen kann in den besagten starken Ligen zu Spitzenspielern heran. Was ich damit sagen will ist, man braucht zum Spitzenspieler auch eine entsprechend hohes Level auf dem man reifen kann. Wenn man als junger Spieler dann auch eine heimische Liga hat, die ein gewisses Maß an Spitzenfußball bieten kann, ist es mindestens mal eine gute Starthilfe. Das ist zumindest ein Unterschied, den ein deutscher Kicker gegenüber einem kroatischen, schedischen oder belgischen Kicker hat. Und wenn es nur am Anfang seiner Karriere ist.

Eines ist sowieso klar. Man kann ein Turnier einfach mal in den Sand setzen. So sehe ich es mit der deutschen Elf. Schlechte Vorbereitung, zu satt, zu viel Ablenkung... was auch immer - es ist Sport und kann einfach mal schief gehen. Es kann auch mal eine Saison daneben gehen. Ob als Verein oder als Liga, das ist alles drin. Über viele Jahre und Turniere hinweg sieht man allerdings wie nachhaltig etwas ist.
Joachim Franz hat geschrieben:
Mo 20. Aug 2018, 16:33
Wenn also Joachim Löw sich Ende August zu den Gründen für das WM-Fiasko mal endlich äußert, würde es mich wundern, wenn er das irgendwie in Bezug zu dem Leistungsniveau in der BL bringt, speziell zum desaströsen internationalen Abschneiden von BVB, HBSC, TSGH und Köln im Europacup setzt.
Da bin ich sowieso mal gespannt. In einem bin ich ja auch vollkommen bei Dir: Eine Top-Liga ist nicht gleich eine zwingend Top-Nationalelf. Aber sie erleichtert es etwas.
Joachim Franz hat geschrieben:
Mo 20. Aug 2018, 16:33
Die Konsolidierung ist doch schon im Gange. Die Verschuldung spanischer Clubs war Anfang des Jahrzehnts am größten. In den letzten Jahren hat sich die Verschuldung reduziert und der internationale Erfolg spanischer Clubs hat sogar noch zugenommen. Also keine Ahnung wie Atlético mit geringeren Einnahmen als der BVB seit Jahren Griezmann halten kann während der BVB Aubameyang und Dembélé eben nicht halten kann, aber auf einen Leistungseinbruch der Primera Division aufgrund Schuldenkonsolidierung würde ich nicht setzen.
Ah, okay, mir war nur nicht klar, ob Du meinst, die Spanier verschulden sich weiter oder es bessert sich, weil sie vernünftiger Wirtschaften (müssen!). Letzten Endes ist die dramatische Schuldensituation scheinbar verbessert. Aber einen wirklich spürbaren Leistungsabfall gab es eigentlich nicht. Spanien dominiert immer noch, England ist halt nun wieder eine nennenswerte Größe, wenn sich der Trend der letzten Saison weiter fortführt.

Auf die Griezmann-Frage habe ich auch keine Antwort. Die müsste ich mir zusammen interpretieren. Gefunden habe ich dazu ein kleine Statistik, die natürlich schwer seriös zu bewerten ist, weil Gehälter nach wie vor nicht offen liegen. Demnach verdienen die Spieler im Durchschnitt und im Jahr (Stand 2016) in Deutschland 1,21 Mio. € - in Italien 1,28 Mio. € - und in Spanien 1,44 Mio. €. England hier weit vorne mit über 2,84 Mio. €. Eigentlich nicht der Mega-Unterschied zwischen Deutschland, Italien und Spanien. Diese Zahlen sind natürlich mit großer Vorsicht zu genießen. Hinzu kommt, dass die Stars deutlich mehr verdienen als der Durchschnittsspieler. Das ist natürlich in jeder Liga so, aber das Gefälle ist in den Ligen Italien und Spanien glaube ich deutlich größer als in Deutschland. Ein Messi verdient laut dieser Quelle hier, im Jahr um die 52 Mio. €. Ein Ronaldo bei Juve bekommt scheinbar so um die 33 Mio. € im Jahr. Die Bundesligaspitze hat nicht einmal die Hälfte davon. Ich habe gelesen, dass Müller, Lewandowski und Neuer wohl bei ca. 15 Mio. € liegen.

Daraus kann man schließen, dass das Geld, welches für die ganz großen Namen ausgegeben wird, natürlich woanders wieder eingespart wird und das sind die Mittelklasse-Kicker bzw. alle darunter ebenfalls. Immerhin sind spanische Fussballer auch eine Art Exportschlager.
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Re: Internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs

Beitrag von Indii » Mi 22. Aug 2018, 13:52

BenSchreck hat geschrieben:
So 19. Aug 2018, 12:17


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