Kampf um den Verbleib in den Top 4

Diskussionen über die 5JW der Saison 15/16,
nach deren Ergebnissen in der BL Saison 16/17 die Teilnehmer ausgespielt werden,
welche dann 17/18 in der CL/EL spielen
Fabsian13
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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Fabsian13 » Mo 1. Jan 2018, 19:43

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob du den Artikel im kicker gelesen hast. Dem relativ scharfen Tonfall nach zu urteilen ist das nicht der Fall.

Stellt der Kicker wirklich so einen Kasperlkram in den Mittelpunkt seiner Analyse?


Nein, es ist ein Teilaspekt, der in der Reihe als erstes erörtert wird.

Wer lamentiert denn da angeblich permanent?


Ralph Hasenhüttel: "Wir gehen auf dem Zahnfleisch!" - "Wir müssen uns in die Winterrpause retten"
Julian Nagelsmann: "Das Europacup-Aus wird uns gut tun" - "Es wäre schwer geworden, die Europa League zu gewinnen. Also beruhigt mich die Tatsache, dass wir nur ein oder zwei Runden zu früh ausgeschieden sind."
Ralf Rangnick: "Der Donnerstag-Sonntag-Rhythmus ist eine zusätzliche Erschwernis und nicht unbedingt förderlich für gute Bundesliga-Ergebnisse"
Regelmässig international aktive Spitzenklubs brauchen nun mal einen geeigneten Kader, wenn einer von denen aktuell über Doppelbelastung jammert: Her mit den Namen!


Bayern jammert nicht, Dortmund jammert nicht, und in allen anderen Ligen ist die Anzahl an Spielen sowieso deutlich höher, da gibt es in der Saison normal sowieso kein Training, heißt also, das der Zweite und Vierte des Vorjahres keine Spitzenmannschaften sind, bedenklich...
Zufallsteilnehmer wie Freiburg, Köln oder Hertha dagegen können gar keinen darauf vorbereiteten Kader haben und finanzieren. Gegen Luhansk oder Östersund sollte das aber auch keine Rolle spielen. Hat dort denn jemand die Doppelbelastung zum Hauptverantwortlichen gemacht?


Hertha war in der Vorsaison Siebter (Und schied gegen Brönby 1:0/1:3 in der EL-Quali aus), da ist das kein Zufall, wenn sie im Folgejahr Sechster werden, Freiburg würde ich aus der Geschichte ein wenig rausnehmen, die sind aufgestiegen und für díe war Rang sieben ein Riesenerfolg und nicht zu erwarten, der Manager Jochen Saier meinte: "Auf Dauer lebt der Klub von der Teilnahme an der Bundesliga und nicht vom Einmaleffekt der Europa-League" - erwartbar von einem Manager, der das kleinste Budget in der Liga verwaltet
Hat sich da also der Kicker erst professionell sein eigenes Strohpüppchen gebastelt und dann mit einem flott-populistischem, klickförderlichen "Jammerliga"-Etikett beklebt, um dann die eigenen Mental-"Experten" darauf loszulassen und genau dafür zu kritisieren (Effenberg? Sammer? Basler? Gattuso?)? Oder wurde das wirklich von Dortmund, Leipzig oder Hoffenheim ernsthaft als Kernproblem dargestellt?


Tatsächlich wurde ein Mental-Trainer interviewt, grob zusammengefasst: " Jammern kostet Energie"

Nebenbei ist der kicker mit seiner Printausgabe nicht dafür bekannt, Klicks generieren zu wollen, das nur am Rande :roll:

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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Joachim Franz » Di 2. Jan 2018, 17:09

Fabsian13 hat geschrieben:der kicker widmed sich ja seit Donnerstag auch diesem Phänomen, wo das Abschneiden als "extrem mies" bezeichnet wird.
Im ersten Teil der Serie mit dem schönen Thema "Die Jammer-Liga" wird aufgegriffen, das eher mentale als körperliche Probleme zu suchen sind.
Dass das Lamentieren über zu viele Spiele erst dazu führt, das man an selbigen nicht mehr die Leistung abrufen kann (oder will?), zu der man imstande ist... wenn ich jemandem einrede, er sei müde, glaubt er das irgendwann auch

Ich habe den Artikel gelesen und finde, da stellt der Kicker eine ziemlich steile These auf. Natürlich gibt es diesen psychologischen Effekt auf die Leistung. Eine Mannschaft z.B., die in Führung liegt, also sich in einer mental positiven Situation befindet, spürt die Müdigkeit in den Beinen weniger als der Gegner, der zurückliegt. Und für eine Mannschaft, die ständig zu hören bekommt, dass die Doppelbelastung durch den Europacup für sie ein Problem darstellt, mag das auch leistungshemmend sein, zumal sie dann für schlechte Leistung auch noch ein Alibi hat. Dennoch glaube ich nicht, dass dieser Punkt beim schlechten Abschneiden der deutschen Mannschaften eine wesentliche Rolle gespielt hat. Die meisten der zitierten Aussagen gab es ja nicht vor den Spielen, so dass sie die Spieler hätten beeinflussen können, sondern erst als das Scheitern feststand. Da haben die Verantwortlichen und Trainer händeringend nach Erklärungen gesucht und haben dann nach den erstbesten Floskeln gegriffen wie die von der mangelnden internationalen Erfahrung oder eben der Doppelbelastung durch den Europacup.

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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Joachim Franz » Di 2. Jan 2018, 17:31

Fabsian13 hat geschrieben:
Ralph Hasenhüttel: "Wir gehen auf dem Zahnfleisch!" - "Wir müssen uns in die Winterrpause retten"
Julian Nagelsmann: "Das Europacup-Aus wird uns gut tun" - "Es wäre schwer geworden, die Europa League zu gewinnen. Also beruhigt mich die Tatsache, dass wir nur ein oder zwei Runden zu früh ausgeschieden sind."
Ralf Rangnick: "Der Donnerstag-Sonntag-Rhythmus ist eine zusätzliche Erschwernis und nicht unbedingt förderlich für gute Bundesliga-Ergebnisse"

Dieses Jammern ist doch typisch Deutsch. Also hier nochmal die schönsten jämmerlichen Aussagen der Verantwortlichen für das Scheitern ihres Teams:

Alexander Rosen, Direktor Profifußball bei 1899H: "Wir hatten neun Verletzte und den Fakt, dass es für die meisten von uns eine neue Situation war“.

Na klar Alexander. Ihr habt die Hinrunde der BL ja nur mit Platz 7 und 26 Punkten abgeschlossen, zwei Punkte hinter dem BVB auf Platz 3. Was war das für eine enorme Schwächung durch Ausfälle verletzter Spieler. Da hat man natürlich Verständnis, dass es für Rasgrad und Luhansk nicht gereicht hat.
Und noch ein Tipp, Herr Rosen. Wenn Sie wissen wollen, wie man mit der neuen Situation Europacup umgeht, einfach mal beim Kollegen in Östersund nachfragen. ;)

Hasenhüttl: "die Jungs gehen auf dem Zahnfleisch...wir müssen uns in die Winterpause retten" .

Bitte Defibrator bereithalten, die Spieler stehen kurz vor dem Kreislaufkollaps.
Man könnte meinen es sei Saisonende, die Spieler hätten 50-60 Spiele in den Knochen und müssten anschließend noch zum WM. Dabei haben die Spieler von RB weniger Spiele absolviert als die der anderen Topligen, die 20 Teams in der Liga haben, und weniger als Skënderbeu, Astana oder Maccabi, die schon ab Ende Juni/ Anfang Juli in die Qualifikation eingestiegen sind. Die jammern allerdings nicht, sondern freuen sich auf die Zwischenrunde. :)

Rangnick: "Der Donnerstag-Sonntag-Rhythmus ist eine zusätzliche Erschwernis und nicht unbedingt förderlich für richtig gute Bundesliga-Spiele und Ergebnisse".

Genau so motiviert man seine Spieler, wenn es demnächst für RB in der EL weitergeht. Er hätte auch gleich sagen können „Jungs, kein Problem wenn ihr gegen Neapel ausscheidet, dann bringt ihr anschließend auch mehr Leistung in der Bundesliga“. :D

Oder wie Christian Streich sagen würde: „Jetzt haben wir wenigstens Zeit zum Arbeiten" (nach dem Aus gegen Domzale).

Noch besser Nagelsmann nach dem Europacup-Aus seiner Hoffenheimer: "Das Europaup-Aus wird uns guttun"

Da fällt mir ein Tipp für Jogi ein. Sollte im Juni die NM bei der WM überraschend gegen die Außenseiter Südkorea und Schweden in der Gruppenphase rausfliegen, wie wäre es mit folgender Erklärung, ganz im Sinne von Streich, Nagelsmann Co.:

„Das frühzeitige WM-Aus wird meinen Spielern guttun. Jetzt haben sie wenigstens genügend Zeit für die Saisonvorbereitung und können tüchtig trainieren“.
Na dann Prost Neujahr! :sekt:

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JohnDRockford
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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon JohnDRockford » Sa 6. Jan 2018, 08:59

Es geht doch nicht um zu viele Spiele...wer früher im UI-Cup gestartet ist, hatte mehr Spiele als heute.
Auch die Reformen der europäischen Wettbewerbe hatten und haben doch eher zur Folge, dass die europäisch vertretenen Vereine eher weniger als mehr Spiele zu bestreiten haben.

Die Bundesliga hat neben den bereits bekannten strukturell-finanziellen Problemen mittlerweile ein gewaltiges Einstellungsproblem.
Anscheinend wird der Niedergang klaglos hingenommen, es wird nicht einmal mehr der Versuch unternommen, das marode System zu reformieren.
Stattdessen ergießt man sich in Selbstmitleid und zeigt weiterhin mit dem Finger nicht auf sich selbst, sondern auf Dritte.

Wer etwas erreichen will, der muss agieren. Sich wie die Kinder hinzusetzen und bockig auf ein System zu bestehen, das die schwerste Krise des deutschen Fußballs der letzten zwanzig Jahre herbeigeführt hat und offensichtlich direkt in den Untergang führt, kann doch nicht die Antwort auf die Probleme sein.

Italien und Frankreich haben die Bundesliga bereits überholt. Russland und Portugal setzen zum Überholvorgang an.
Wie schlimm muss es denn noch werden?

gast

Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon gast » Sa 6. Jan 2018, 14:57

Zwar bewegt sich der Kicker-Artikel jenseits von hochklassigem Journalismus und platter populistischer Stammtisch-Parolen-Phrasendrescherei, aber immerhin trägt er zumindest dazu bei, eine Diskussion weiterzuführen, die durchaus ernsthaft geführt werden sollte. Es geht eben um die Frage, welche Ursachen für momentan unerfreuliche Entwicklungen heranzuziehen sind, da ist es nicht falsch zumindest erstmal eine These aufzustellen. Ich gehe davon aus, dass ein "Einstellungsproblem" auf jeden Fall vorliegt, neutral ausgedrückt kann man auch von einer Mentalität sprechen. Meckern legt den Fokus immer auf das Negative und ist zumindest auch dann hilfreich, wenn es nicht beim Meckern bleibt, sondern auch eine Reaktion hervorruft.

Eine Einstellung, Mentalität oder wie man es auch nennen mag, liegt immer tief in den Köpfen und Herzen der Menschen und ist nicht so leicht umzustoßen. Ich habe den deutschen Fußball seit jeher so wahrgenommen, dass eigentlich immer gemeckert wird. Ab einem bestimmten Punkt ist es schade, dass es dabei bleibt, weil das die Stimmung kaputt macht. Es gibt zu viele Menschen, die die Zustände der Bundesliga bemängeln und meckern, gleichzeitig ein romantisches Ideal von Tradition anhimmeln und so lange dies nicht Realität wird, die Stimmung nicht wirklich verbessern. Mir wäre es lieber, wenn solche Personen am Samstag auf dem örtlichen Sportplatz bei Bratwurst und Bier feiern, anstatt im Kontext der Bundesliga die Stimmung versauen. Letzteres wäre ja so, als ginge ich immer wieder in ein Restaurant, wo es mir nicht gefällt, und würde mich dort immer wieder beschweren, anstatt eine Straße weiter in ein Lokal zu gehen wo es mir gefällt. Das ist nur nicht ganz so logisch.

Ich sage nicht, dass der deutsche Fußball deswegen eine Krise hat, aber ich bin mir sicher, dass eine andere Mentalität grundsätzlich die Stimmung verbessern würde. Leider hat man aber das Gefühl, dass eine allgemein gesellschaftlich sehr negative Stimmung im Land sich auch im Fußball immer mehr durchsetzt. Das ist schade, Fußball sollte gerade dort ein Gegenpol sein dürfen.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass die Stimmung immer dann gut ist, wenn man es dabei belässt, dass es doch eigentlich nur um Sport geht, man sich über Siege freut und über Niederlagen zwar ärgert, aber deswegen nicht gleich die eigene Laune und die anderer Menschen damit nachhaltig verschlechtert.

Nach mehr als 20 Jahren, die ich die Bundesliga verfolge, bin ich mir aber sicher: Eine grundsätzlich eher negative, das Neue ablehnende und passive Einstellung und Mentalität der Personen und Akteure im deutschen Klubfußball ist so tief in dieser Kultur verankert, dass es wahrscheinlich mindestens Jahrzehnte dauert, bis sich das entscheidend ändert.

Symbolhaft dafür stehen meiner Meinung nach zum Beispiel:

-die hohe Anzahl an "Uralt"-Torhymnen in den deutschen Profifußball-Stadien mit Liedern von vor Urzeiten mit dem verstaubten Charme einer inzwischen an Atemgeräten angeschlossenen "Restfolklore" (die TSG lässt grüßen)

-die zahlreichen "Schwarz-Weiß"-Archivfilmchen, die man bei der Sportschau immer vor der Werbepause (die dann erheblich spannender ist) über sich ergehen lassen muss und die es einem nicht schwer fallen lassen, den Grund dafür zu kennen, dass das öffentliche Fernsehen insgesamt beim jüngeren Publikum nicht wirklich einen allzuhohen Stellenwert hat, gemessen daran, was so GEZeigt wird...Apropos Sportschau: Das ist ja auch die Sendung, wo es das "Tor des Monats" gibt, in dem fast immer mehrheitlich zweit- oder drittklassige Teams ihre Nominierten ins Rennen schicken, die Stürmerstars der BuLI aber in der Minderheit sind....bzw. gibt es da überhaupt noch welche, die nicht schon im Ausland spielen?

-die "german Angst" vor der achso bösen Internationalisierung, durch die sich zahlreiche Klubs im Sommer lieber in ein österreichisches Bergdorf begeben, anstatt Promotion in neuen Märkten zu betreiben, weil ja bei so etwas lieber kurzfristige Risiken als Ausrede anstatt langfristige Chancen erkannt und benannt werden, wodurch aber leider auch den ja bereits historisch bedingten globalen Vermarktungsnachteilen nicht begegnet wird, wo dies aber dann umso mehr nötig wäre

-Die Angst vor dem europäischen Fußball: Es fühlt sich so an, als wäre es dem Großteil der Spieler der Bundesliga verboten, vom Erreichen eines Platzes, der zum internationalen Geschäft berechtigt, auch nur zu träumen. Die heilige "Von Spiel zu Spiel-Denken"-Philosophie darf nicht angetastet werden, alles andere ist untersagt. Es sei denn, man hat dann zufälligerweise doch die Europa League erreicht, dann muss man sich riesig freuen, um dann plötzlich beim dortigen Ausscheiden plötzlich wieder total fröhlich zu sein, weil das ja dem Team "guttun" wird. Eine so konsequente "Flexibilität der Einstellung" erscheint aber mindestens auf den zweiten Blick auch den weniger hellen Kerzen auf der Torte als albern und banal. Warum ist man nicht einfach ehrlich und sagt sich entweder, dass eigentlich jeder in die Europa League will, was ja auch jeder weiß oder dass man da nicht hingehört, weil man die Doppelbelastung nicht stemmt, was auch jeder weiß? Das ist besser als so eine Scheinheiligkeit, die man z.B. auch dort findet, wo man nachhaltiges sportliches Mittelmaß als "nachhaltiges Wirtschaften" deklariert...Herr Rettig grüßt herzlich und die Bayern freuen sich, dass sich keiner die Mühe macht, zu konkurrieren!

Was bleibt ist der Eindruck, dass die Bundesliga ein Volk von Sonderlingen ist, die wenn überhaupt, erst dann handeln, wenn die anderen schon weiter sind...

Joachim Franz
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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Joachim Franz » Do 11. Jan 2018, 20:56

Was ist da gerade für eine seltsame Diskussion im Gange? Der Kicker beschäftigt sich seit Wochen mit den Ursachen des Europacup-Debakels. Schuld soll zu viel Gejammer, zu viel Pressing und die schlechte Ausbildung der Trainer gewesen sein. Nichts davon, was es vor der Saison nicht auch schon gegeben hat, als die Ergebnisse noch gestimmt haben.
Hätte man im Juli gefragt, ob sich der deutsche Fußball in einer Krise befindet, wäre man für verrückt erklärt worden. Vor zwei Jahren hat WOB ManUnited aus der CL geworfen, letzte Saison Bayer04 Tottenham. Vor einem halben Jahr, als die BL in der 5JW auf Platz 2 stand, hat noch jeder über die Premier League gelacht, weil die trotz ihres vielen Geldes keinen Erfolg in der CL erzielen konnten. Und nun soll sich alles verändert haben. Die englischen Teams sind nun plötzlich die Allerbesten und der deutsche Fußball befindet sich in der Krise, wie man hier lesen darf. Was für ein Unsinn.
Es haben international ein paar BL-Teams abgeloost, nicht mehr und nicht weniger. Diese Teams sind aber nicht gleichbedeutend mit dem deutschen Fußball. Wie wär’s denn mit einem Blick auf die FIFA-Weltrangliste? Das steht Deutschland mit 1600 Punkten aktuell auf Platz 1. Geht’s eigentlich noch besser? Und dann wird hier erzählt der deutsche Fußball befände sich zurzeit in der schwersten Krise seit 20 Jahren. Wie absurd ist das denn?
Da hat diese Saison also Hoffe, Hertha, Freiburg und Köln abgelost. All so viele Spieler wird Löw aus diesen Vereinen eh nicht zur WM mitnehmen. Insofern kann ich mit deren schlechten Abschneiden sehr gut leben.
Und was ist denn nun in den letzten Monaten im deutschen Fußball weltbewegendes passiert? Gut die BL wird diese Saison kaum mehr als 10 Punkte in der 5JW einfahren, das schlechteste Ergebnis seit vielen Jahren. Na und? Ein Blick ins Archiv hilft. 1993 erzielte ENG nur 3,2 Punkte. ITA stürzte 2004 auf 8,8 P. ab und wurden trotzdem kurz später Weltmeister. Es kann in einer Saison also schon mal ein negatives oder positives Extremergebnis geben. Allerdings sind die Ergebnisse einer einzigen Saison nicht repräsentativ. Warum ist denn sonst bei der UEFA eine Fünfjahreswertung relevant und keine Einjahreswertung?

JohnDRockford hat geschrieben:Die Bundesliga hat neben den bereits bekannten strukturell-finanziellen Problemen mittlerweile ein gewaltiges Einstellungsproblem.
Sich wie die Kinder hinzusetzen und bockig auf ein System zu bestehen, das die schwerste Krise des deutschen Fußballs der letzten zwanzig Jahre herbeigeführt hat und offensichtlich direkt in den Untergang führt, kann doch nicht die Antwort auf die Probleme sein.

Abgesehen von der PL, welche Liga erzielt denn nennenswert höhere Einnahmen als die BL? Das angeblich finanzielle Problem der BL hätte ich dann doch gern erläutert bekommen.
Und schön das man ausgerechnet von einem Holländer erzählt bekommt, dass sich der deutsche Fußball in der schwersten Krise seit 20 Jahre befindet und gerade untergeht. Zur Info, die NDL hat die Saison mit 2,9 Punkten abgeschlossen. Das ist das schlechteste Ergebnis seit 25 Jahren(!). Und trotz 14 europäischen WM-Teilnehmern hat es für die Niederlande trotzdem nicht zur WM gereicht. Wer befindet sich denn da gerade in der Krise, der deutsche oder der holländische Fußball?

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Macaroli
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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Macaroli » Sa 13. Jan 2018, 17:27

Fabsian13 hat geschrieben:Ralph Hasenhüttel: "Wir gehen auf dem Zahnfleisch!" - "Wir müssen uns in die Winterrpause retten"
Julian Nagelsmann: "Das Europacup-Aus wird uns gut tun" - "Es wäre schwer geworden, die Europa League zu gewinnen. Also beruhigt mich die Tatsache, dass wir nur ein oder zwei Runden zu früh ausgeschieden sind."
Ralf Rangnick: "Der Donnerstag-Sonntag-Rhythmus ist eine zusätzliche Erschwernis und nicht unbedingt förderlich für gute Bundesliga-Ergebnisse"

Ab und zu lese ich den kicker Kicker sehr gerne. Die Serie habe ich nun leider verpasst. Ich merke immer wieder, dass die Pint-Ausgabe in einigen Artikeln doch zeigt, warum es sich lohnt, doch mal ein paar Euro für ein paar Ausgaben auszugeben, weil das Internet das öfter nicht so hergibt.

Aber zu den Zitaten. Das ärgert schon ein wenig, das zu lesen. Man könnte nun sagen, Hasenhüttel ist nun wirklich nicht der erste Trainer, der mit seinem Verein in der Champions League startet. Rangnicks Aussage könnte man nun so deuten, dass die EL schon jetzt Entschuldigung für schlechte Spiele ist. Und Nagelsmanns "Aus wird uns gut tun" wirft erst Recht die Frage auf, warum man in Zukunft überhaupt um einen Europapokalplatz mitspielen sollte, wenn doch das Nicht-Dabei-Sein wohl besser ist!?

Es wurde schon öfter gesagt, aber ich will nicht sagen, es ist alleine Jammern, oder fehlende Motivation. Aber es gibt einen klaren Wechsel in der Sichtweise der Wertigkeit der Wettbewerbe. Bzw. den gibt es eigentlich schon seit Jahren. Nur in dieser Saison ist diese verschobene Wertigkeit deutlicher denn je für die deutschen Mannschaften: Das Erreichen der Europa League ist nicht, wie wir das aus unserem Forum heraus sehen, das ganz tolle Ding auf das wir uns vor allen Dingen freuen. Sondern ein unnützer Wettbewerb, der mehr Last als Belohnung mit sich bringt.

Deswegen glaube ich, dass in diesem Satz, bezogen auf RaBa Leipzig, mehr Realität steht, als das Smiley vermuten lässt:
Joachim Franz hat geschrieben:Er hätte auch gleich sagen können „Jungs, kein Problem wenn ihr gegen Neapel ausscheidet, dann bringt ihr anschließend auch mehr Leistung in der Bundesliga“. :D

Vielleicht gibt es noch eine Rest-Chance, das Napoli das ähnlich sieht. ^^

Ich habe kürzlich den Podcast von rasenfunk.de gehört. Da haben sie in ihrer so genannten Schlusskonferenz den letzten Spieltag vor der Winterpause analysiert. Im Beitrag "17. Spieltag: Die Liga ist keine Zombieapokalypse" schauen sie wie immer den ganzen Spieltag an. Die ersten ca. 22/ 23 Minuten handeln vom generellen Niveau der Liga. Kann man mal reinhören. Die Kommentare fand ich recht interessant. Und mit am spannendsten fand ich die Aussage, dass in dieser Saison etwas statistisch Neues eingetreten ist. Erstmals in dieser Saison (ich hoffe, ich fasse das richtig zusammen) holen die Vereine mehr Punkte, welche weniger Ballbesitz haben als ihre Gegner. Das Verhältnis ist laut Podcast-Aussage gerade 60:40 für die Teams mit weniger Ballbesitz. Das ist etwas, was ich nicht vermutet hatte. In den Jahren davor war es wohl nie so. Gefühlt hätte ich nun aus den Europacup-Spielen geschlossen, dass gerade das Ballbesitz-Spiel in Mode gekommen ist. Und auch relativ erfolgreich ist (zumindest Ligaintern). Also könnte man sagen, es gibt in der Bundesliga Teams, die versuchen das Spiel zu machen, sind aber nur mäßig erfolgreich damit. Und andere Mannschaften machen erst gar nicht das Spiel und lassen den Gegner kommen. Und sind damit sogar punktestärker. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber das klingt zumindest ungesund, ohne nun die gesamte Wichtigkeit im Fussball auf den Ballbesitz zu schieben.

Was weiter dazu kommt ist, dass die Verweildauer der Trainer relativ kurz ist: Christian Streich fällt da raus. Der geht in sein 7tes Jahr beim SC Freiburg. Dann kommt schon Dardei bei Berlin (noch nicht mal 3 Jahre) dann schon Nagelsmann (am 11.02. werdens dann 2 Jahre). Abgesehen von den ganz neuen Trainern kurz vor Weihnachten befindet sich der Großteil der Übungsleiter bei etwas mehr oder weniger als 1 Jahr beim aktuellen Verein. Empfinde ich als schon sehr extremen Wert. Ich habe nun keine Statistik aufgemacht, aber habe mich über die Wikipedia-Artikel geklickt, wie lange in den anderen Ligen Trainer im Amt sind. Natürlich ist das Entlassen und neu einstellen kein alleine deutsches Phänomen, aber in den anderen großen Ligen gibt es doch tendenziell mehr Trainer, die auf mehrere Jahre beim aktuellen Verein kommen.

Das Stichwort ist, wie bei Stöger und dem BvB, nicht Aufbau einer Philosophie in Spiel und Mannschaftsweiterentwicklung, sondern Feuerwehrmannaufgaben! Und das heißt dann eben Sicherheit geht vor. Stöger hat als aller erstes dann mal die Abwehr stabilisiert. Natürlich kann man dann sagen, was soll er auch sonst zu Beginn machen. Und genau das war auch das Problem bei Dortmund Aber das zieht sich gerade so durch die Liga. Der BvB hat aber immerhin mit Stöger nur einen Vertrag bis Saisonende gemacht. Ich unterstelle da mal, das dies denen klar ist.

JohnDRockford hat geschrieben:Es geht doch nicht um zu viele Spiele...

Richtig, andere Ligan haben mehr Belastungen. Und die krabbeln auch nicht auf dem Zahnfleisch.

JohnDRockford hat geschrieben:wer früher im UI-Cup gestartet ist, hatte mehr Spiele als heute.
Auch die Reformen der europäischen Wettbewerbe hatten und haben doch eher zur Folge, dass die europäisch vertretenen Vereine eher weniger als mehr Spiele zu bestreiten haben.

Das musst Du aber mal zeigen. Ich habe nicht mehr so richtig im Kopf, der UI-Cup wurde irgendwann mal ziemlich aufgebläht. Das war doch ein paar Jahre lang. Da kann es sein, dass dies so war. Die eigentlichen Europacup-Wettbewerbe, ohne Intertoto-Runde, haben heute natürlich mehr Spiele. Früher konnte man sich ja jede Runde verabschieden. Z. B. im UEFA-Cup hatte man dann auch mal nur 2 Spiele. ^^

JohnDRockford hat geschrieben:Sich wie die Kinder hinzusetzen und bockig auf ein System zu bestehen, das die schwerste Krise des deutschen Fußballs der letzten zwanzig Jahre herbeigeführt hat und offensichtlich direkt in den Untergang führt, kann doch nicht die Antwort auf die Probleme sein.

Ich weiß nicht, welcher Inka-Kalender für die Bundesliga gerade wieder endet. Aber das ist mir doch ein wenig zu fatalistische Theatralik. Die Situation Anfang des Jahrtausends war deutlich schlechter anzusehen. Das sind ja noch keine 20 Jahre. Und ob das eine Krise oder nur ein Durchhänger ist, werden wir noch sehen.
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport - und nichts für Tunten. (Axel Kruse)

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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Lok » So 14. Jan 2018, 22:11

Macaroli hat geschrieben:Aber zu den Zitaten. Das ärgert schon ein wenig, das zu lesen. Man könnte nun sagen, Hasenhüttel ist nun wirklich nicht der erste Trainer, der mit seinem Verein in der Champions League startet. Rangnicks Aussage könnte man nun so deuten, dass die EL schon jetzt Entschuldigung für schlechte Spiele ist. Und Nagelsmanns "Aus wird uns gut tun" wirft erst Recht die Frage auf, warum man in Zukunft überhaupt um einen Europapokalplatz mitspielen sollte, wenn doch das Nicht-Dabei-Sein wohl besser ist!?

Es wurde schon öfter gesagt, aber ich will nicht sagen, es ist alleine Jammern, oder fehlende Motivation. Aber es gibt einen klaren Wechsel in der Sichtweise der Wertigkeit der Wettbewerbe. Bzw. den gibt es eigentlich schon seit Jahren. Nur in dieser Saison ist diese verschobene Wertigkeit deutlicher denn je für die deutschen Mannschaften: Das Erreichen der Europa League ist nicht, wie wir das aus unserem Forum heraus sehen, das ganz tolle Ding auf das wir uns vor allen Dingen freuen. Sondern ein unnützer Wettbewerb, der mehr Last als Belohnung mit sich bringt.


Man kann sagen es hat eine sehr starke Verschiebung gegeben. Die Spanier gewinnen ja schon seit Jahren, egal ob CL oder EL.

Aber bisher war es so, dass Engländer und Italiener die EL nicht ernst genommen haben. Hier im Forum haben wir uns über die Italiener lustig gemacht, die reihenweise in der EL ausgeschieden sind, während die Bundesliga dort wertvolle Punkte gesammelt hat und sich so langsam auf den 2. Platz in der Wertung vorgeschlichen hat.

Leider hat sich das extrem verschoben. Sowohl Engländer als auch Italiener scheinen die EL inzwischen ernst zu nehmen. Allein schon der CL-Platz für den Gewinner kann sich richtig lohnen.

Dafür ist die EL in der Wertschätzung der Bundesliga ganz nach unten gerutscht. Köln war die einzige Mannschaft die das ernst genommen hat, da haben sich auch die Fans richtig drauf gefreut. Leider war bei Köln viel Unvermögen im Spiel.

Alle anderen Mannschaften (Hertha, Hoffenheim und Freiburg) haben gewissermaßen abschenkt. So darf das nicht weitergehen, sonst wird Deutschland auf den 5. Platz abrutschen.

Also es gibt da ein ganz großes Motivations- und Einstellungsproblem.

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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Zarastro » Mi 24. Jan 2018, 01:58

Anscheinend droht der Serie A ein Einbruch bei den Fernseheinnahmen. Die Gebote für den nächsten Übertragungsweitraum sind bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und liegen sogar niedriger als für die jetzige Laufzeit.

http://www.nasdaq.com/article/bids-for- ... 0122-00793

Ist das möglicherweise eine (späte) Auswirkung der Wirtschaftskrise in Italien, oder ein Fingerzeig für das, was auch Deutschland droht?

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Re: Kampf um den Verbleib in den Top 4

Beitragvon Lok » Do 25. Jan 2018, 02:30

Die spanische Liga und die englische Liga sind Premium-Produkte, die man sich auf der ganzen Welt anschaut. Also auch in Südamerika oder Asien werden die beiden Ligen bewundert.
Das trifft eben auf die Bundesliga, aber auch auf die italenische und französische Liga nicht so zu. Dieser Vorteil lässt sich natürlich auch zu Geld machen.

Vielleicht werden die Fernsehsender in Deutschland irgendwann feststellen, dass sich diese Angebote für Fußballrechte nicht refinanzieren lassen und in Zukunft weniger bieten.

Wobei es kann schon sein, dass in Italien auch die Wirtschaftkrise eine Rolle spielt, das Problem gäbe es in Deutschland ja nicht.

Aber wir sollten uns nicht zu früh freuen. Die Effizienz ist momentan einfach zu gering. Also dem was aus dem eingesetzten Geld herausgeholt wird.
Da sind uns Spanien und Italien voraus, die holen mehr aus ihrem Geld heraus. England ist vielleicht genauso ineffizient, aber das spielt keine Rolle, da sei einfach viel mehr haben....


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